Wer wandert, der läuft vor dem Tod davon.
Oh, die wirklichen Gewalten des Lebens hält sich der Mensch so lange als nur irgend möglich vom Leibe, und so lange es angeht, tut er alles, um sich über sie hinwegzutäuschen. Ich kenne das.
Ihr Leute aus der Stadt werdet überhaupt nicht älter, ihr kommt alt zur Welt und so bleibt ihr bis es aus ist …
Der Tod hockt überall, wo immer du willst, auf dem Dach, im Garten … den muß nicht erst ein Fremder herbringen.
Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du, Schmetterling, verbrannt.
Und als ich Euch meine Schmerzen geklagt,
Da habt Ihr gegähnt und nichts gesagt;
Doch als ich sie zierlich in Verse gebracht,
Da habt Ihr mir große Elogen gemacht.
Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.
Es gibt Tage, da ist die Welt wie ein eingerichtetes Zimmer, der Himmel ist eine freundlich gestrichene Decke, die Berge sind weißgrüne Tapeten, und auf dem bunten Teppich des Lebens kugelt alles Spielzeug und macht läppisch-liebliche Musik.
Freunden kann man alles darbringen, sie erfreuen sich noch an der Schwäche.
Auch das Schöne muß sterben!
Das Leben hat nicht beabsichtigt, uns vollkommen zu machen. Wer vollkommen ist, gehört in ein Museum.
Es ist schon angedeutet worden, daß er Mathematiker war, und mehr braucht davon noch nicht gesagt zu werden, denn in jedem Beruf, wenn man ihn nicht für Geld, sondern um der Liebe willen ausübt, kommt ein Augenblick, wo die ansteigenden Jahre ins Nichts zu führen scheinen.
Alles in dieser Familie hatte einen Unterton von Angst, die Liebe, mit der sie zu einer dünnen und nicht sehr haltbaren Wärme zusammenrückten, nicht minder als der patriarchalische Beschützerton, mit dem der kleine Vater Wetchy die Seinen kommandierte.
Er haßte diese Mischung aus Verzicht und Affenliebe im Verhalten zum Leben, die sich dessen Widersprüche und Halbheiten gefallen läßt wie eine eingejungferte Tante die Flegeleien eines jungen Neffen.
Das große Abenteuer heute ist ein klares, ruhiges Leben.
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!
Aber der Mensch ist zu nichts schwerer zu bringen als zu seinem Glück.
Wir haben unsere Träume, weil wir ohne sie die Wahrheit nicht ertragen könnten.
Sie lächelte und lehnte sich an ihn. Er spürte, wie etwas in ihm sich öff nete und ausbreitete, warm und weich und weit, etwas, das ihn niederzog wie mit vielen Händen, und es war plötzlich unerträglich, daß sie nebeneinander standen, auf Füßen, schmalen Plattformen, lächerlich aufgerichtet, balancierend; anstatt es zu vergessen und niederzusinken, dem Schluchzen der Haut nachzugeben, dem Ruf hinter den Jahrtausenden, als es das alles noch nicht gab, Gehirn und Fragen und Qual und Zweifel – nur das dunkle Glück des Blutes …
Wer immer es ist, den ihr sucht: Ich bin es nicht.
Ich hatte versucht, auf den Pfaden der Welt zu wandeln, und sie waren für mich zu schlüpfrig gewesen.
Eine Schlägerei hinterläßt immer einen unangenehmen Nachgeschmack, sozusagen von voreiliger Vertraulichkeit, und unabhängig davon, daß er der Angegriffene war, hatte Ulrich das Gefühl, sich unpassend betragen zu haben. Aber unpassend wozu?!
Aber warum schreibt man denn Kunst ? Um Dinge noch einmal zu sagen ? Es war einmal berechtigt, aber wir sind keine Rhapsoden. Warum beschäftigt man sich nicht mit dem physikalischen Relativitätsprinzip, mit den logisch-mathematischen Paradoxas Couturat’s, mit… ? Weil es Dinge gibt, die sich nicht wissenschaftlich erledigen lassen, die auch nicht mit den Zwitterreizen des Essays zu fangen sind, weil es Schicksal ist, diese Dinge zu lieben, Dichterschicksal. Gefühle u[nd] Gedanken sind unpersönlich u[nd] unkünstlerisch, die Art ihrer Verflechtung ist die Persönlichkeit u. ist die Kunst.
Dichtung entstammt der Dämmerung.
Der Tod das ist die kühle Nacht,
Das Leben ist der schwüle Tag.
Es dunkelt schon, mich schläfert,
Der Tag hat mich müd gemacht.
Es ist so gut, das zu wissen: daß in uns drinnen einer ist, der alles weiß, alles will, alles besser macht als wir selber.
Das Leben hielt sich ihm hin, und er machte Einwendungen. Nicht, weil es zuwenig – weil es zuviel war.
Das Leben jedes Menschen ist ein Weg zu sich selber hin, der Versuch eines Weges, die Andeutung eines Pfades. Kein Mensch ist jemals ganz und gar er selbst gewesen; jeder strebt dennoch, es zu werden, einer dumpf, einer lichter, jeder wie er kann.
Jetzt aber, er hatte zuviel gesehen, war er knurrig resigniert, das Böse war notwendig, er sehnte sich fast danach, mit dem grimmigen, zerstörerischen Wunsch nach Bestätigung, nach immer mehr Befestigung seines bitteren Wissens.
Bilde, Künstler! Rede nicht!
Nur ein Hauch sei dein Gedicht.
Die Leidenschaft bringt Leiden! - Wer beschwichtigt
Beklommnes Herz, das allzuviel verloren?
Das Glück ist wie ein Schmetterling: Wenn wir es jagen, vermag es uns zu entkommen. Doch wenn wir still dasitzen und geduldig warten, dann wird es kommen und sich sanft auf unserer Schulter niederlassen.
Siehe die Guten und Gerechten! Wen hassen sie am meisten? Den, der zerbricht ihre Tafeln der Werthe, den Brecher, den Verbrecher: - das aber ist der Schaffende.
Daß Demokratie heute kein gesichertes Gut, daß sie angefeindet, von innen und außen her schwer bedroht, daß sie wieder zum Problem geworden ist, das spürt auch Amerika. Es spürt, daß die Stunde gekommen ist für eine Selbstbesinnung der Demokratie, für ihre Wiedererinnerung, Wiedererörterung und Bewußtmachung – mit einem Wort: für ihre Erneuerung im Gedanken und im Gefühl.
Wir waren plötzlich auf furchtbare Weise allein; – und wir mußten allein damit fertig werden.
Es ist aus mit dem Künstler, sobald er Mensch wird und zu empfinden beginnt.
Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige hat in seinem Walde noch Nichts davon gehört, dass Gott todt ist!
Und plötzlich, in der späten Einsamkeit des Platzes, obschon er nichts von ihr wußte, erschien sie ihm einen Augenblick gerade deshalb seltsam zugehörig zu ihm. Sie war ihm fremd, so wie er sich selbst überall fremd fühlte, und das schien ihm auf eine sonderbare Weise näher, als durch viele Worte und die abschleifende Gewohnheit der Zeit.
Bei dem Menschen ist noch eine Instanz mehr, nämlich der Wille, der als ein übersinnliches Vermögen weder dem Gesetz der Natur, noch dem der Vernunft so unterworfen ist, dass ihm nicht vollkommen freie Wahl bliebe, sich entweder nach diesem oder nach jenem zu richten.
Leben heißt, von andern leben. Wir fressen alle voneinander. So ein bißchen Flimmern von Güte ab und zu – das soll man sich nicht nehmen lassen. Es stärkt, wenn man schwierig lebt.
Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sich der Schiffer
Glatte Fläche ringsumher
Keine Luft von keiner Seite
Todesstille fürchterlich
In den ungeheuren Weite
Reget keine Welle sich.
Die Eltern sollen uns nie das Leben lehren wollen; denn sie lehren uns ihr Leben.
Er liebte das Meer aus tiefen Gründen: aus dem Ruheverlangen des schwer arbeitenden Künstlers, der von der anspruchsvollen Vielgestalt der Erscheinungen an der Brust des Einfachen, Ungeheueren sich zu bergen begehrt; aus einem verbotenen, seiner Aufgabe gerade entgegengesetzten und eben darum verführerischen Hange zum Ungegliederten, Maßlosen, Ewigen, zum Nichts.
Glück, dachte er. Die blauen Horizonte der Jugend. Die goldhelle Balance des Lebens, Glück! Mein Gott, wo war das geblieben?
Es ist das Geheimnis aller guten Bibliothekare, daß sie von der ihnen anvertrauten Literatur niemals mehr als die Büchertitel und das Inhaltsverzeichnis lesen.
Die Zukunft zeigt sich in uns – lange bevor sie eintritt.
Liebe verdirbt den Charakter.
Das war die Fülle, der Ueberfluß, jenes Ueberflüssige, das das Leben aus einem Gezwungenen, zu Tragenden zu etwas Leichtem, Herrlichem, Liebens- und Sehnenswertem machte.
Die Geschichte ist überhaupt nur ein Magazin für meine Phantasie, und die Gegenstände müssen sich gefallen lassen, was sie unter meinen Händen werden.
Wie schön ist sein Kind! Sie ist ganz vollendet. Es ist kein Zug an ihr, keine leiseste Bewegung, kein Haar, kein Flackern in der Stimme, das er anders wünschte. Schön ist sein Kind vor den Frauen, zart ist sie und rein ist sie, reinglühend wie ein zartes Licht, ihn selber glüht sie rein.